DAV Lofoten-Fahrt 2019

Vom 25.5. bis 2.6.2019 war der DAV mit 16 Personen im Norden Norwegens auf den Lofoten unterwegs. Nachfolgend berichten zwei Teilnehmer von ihren Erlebnissen während der DAV Gemeinschaftsfahrt 2019.

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Ein Bericht von René Skrotzki und Stefan Rickert

In der ersten Ausgabe von Blickpunkte 2019 wurde von Jannis Dickmann eine Gemeinschaftsfahrt auf die Lofoten angeboten. Ziel der Reise war, die fantastische Landschaft der Lofoten kennenzulernen und viele Wanderungen zu unternehmen. Aus den Anmeldungen ergaben sich 16 Teilnehmer verteilt auf 4 Mietwagen.

Kern der Reise war, so wie schon zweimal zuvor bei Reisen nach Lappland und Island, wieder eine gemeinsame Planung und individuelle Buchung von Flug, Bahnfahrt und Mietwagen. Einzig die Unterkünfte wurden von Jannis vorab festgemacht.

Die Vorbereitungen liefen über ein Online-Forum sowie ein Treffen in der Sektion Hanau. Für Frühstück und Verpflegung unterwegs sorgte jeder selbst. Das Abendessen wurde gemeinsam organisiert, wobei die Teams der vier Fahrzeuge für je einen Abend verantwortlich waren. Die Zutaten wurden teilweise von zu Hause mitgebracht bzw. vor Ort eingekauft.

Unsere Reisetermine sowie die Reiseroute auf den Lofoten:

  • 25.5.19 Flug nach Trondheim.
  • 25.5.19 Nachtzug (ca. 10 Std.) von Trondheim nach Bodø (liegt bereits nördlich des Polarkreises)
  • 26.5.19 Ankunft Bodø und Mietwagenübernahme, anschließend Fähre nach Moskenes auf den Lofoten und Weiterfahrt nach Reine.

Orte mit Übernachtung – insgesamt 6 Nächte:

  • 26.5.19 in Reine (1. Nacht),
  • 27.5.19 in Svolvær ganz oben im Nord-Osten (2 Nächte),
  • 29.5.19 in Sennesvik (2 Nächte),
  • 31.5.19 und schließlich noch einmal 1 Nacht in Reine,
  • 1.6.19 Fähre zurück nach Bodø, Mietwagenrückgabe, Nachtzug nach Trondheim und Flug zurück zumindest für die meisten, andere haben noch etwas drangehängt und sind noch ein paar Tage in Norwegen geblieben.

Fahrt mit Nachtzug von Trondheim nach Bodø und Fähre von Bodø auf die Lofoten. Karte abgewandelt von Wikipedia/NordNordWest unter Lizenz CC-BY-SA 3.0.

Die Reise

Am Samstag, 25.5.19 war für die meisten Anreisetag. Die Gruppe war international vertreten. Eine Teilnehmerin aus Italien wohnhaft in London, ein Teilnehmer aus Indien, wohnhaft in Stockholm, ein deutscher Teilnehmer wohnhaft in Österreich und die übrigen aus Deutschland. Angekommen sind wir planmäßig, die meisten in Trondheim. Busfahrt vom Flughafen in die Stadt und Treffen bei Smak zum Essen (Küche: indisch, Pizza, asiatisch, Grillspezialitäten, srilankisch – ein echtes „Spezialitätenlokal“) zu einem für norwegische Verhältnisse passablen Preis. Anschließend noch ein Spaziergang durch das sonntägliche Trondheim.

Für 6 Teilnehmer fehlte bei Ankunft in Trondheim das Gepäck. Zwei, die mit dem ersten Flug von Frankfurt mit KLM kamen, erhielten ihr Gepäck noch am Abend in Trondheim am Bahnhof. Für 4 weitere, ebenfalls KLM, wurde nach langer telefonischer Diskussion der erste Übernachtungsort auf den Lofoten für die Übergabe des Gepäcks vereinbart.

Sonntag, 26.5.2019

Reine, Reinebringen, Å

Die 3¼ stündige Überfahrt nach Moskenes war ruhig und die Weiterfahrt nach Reine zu unserer ersten Übernachtung auf den Lofoten kurz. Vor Quartierbelegung noch Einkauf in einem kleinen Supermarkt und anschließend die erste Wanderung auf den Reinebringen (ein Klassiker unter den Wanderungen).

Aufgrund der fehlenden Ausrüstung verzichteten die vier, deren Koffer nicht mitgekommen waren sowie einige andere, auf diese erste Bergtour (leider). Sie besuchten Å (das beschauliche Dörfchen mit dem kürzesten Namen und dem ersten Buchstaben im Alphabet) an der Südspitze der Lofoten. Das Wetter war an diesem Tag trocken mit frischem Wind.

Unsere Unterkünfte während der Reise auf den Lofoten waren sogenannte Rorbuer außer in Svolvær; dort waren wir in neugebauten Nur-Dach-Häusern an einem kleinen See untergebracht.

Ein Rorbu ist die norwegische Bezeichnung für eine ursprünglich nur saisonal genutzte Fischerhütte. Das Wort Rorbu setzt sich aus den Wörtern „Ro“ (Rudern) und „bu“ (Wohnen) zusammen. Die Hütten wurden insbesondere im Nordland errichtet und erlaubten das Abfischen von Fischbeständen in Gegenden, in denen ein ganzjähriges Überleben nur mit größter Mühe möglich gewesen wäre, etwa bei der Dorschfischerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren die Rorbuer an Bedeutung, weil zunehmend mit größeren Booten gefischt wurde, die der Mannschaft Unterkunft boten und beheizbar waren. Viele Rorbuer verfielen und wurden abgerissen. Erst ab den 1960er Jahren wurden gut erhaltene Rorbuer restauriert und als rustikale Unterkunft für Touristen angeboten. Ein Rorbu ist aus Holz errichtet und meist mit der früher billigen roten Tranfarbe gegen Witterungseinflüsse geschützt. Die Rorbuer sind heute bequem und praktisch eingerichtet und bieten Platz für bis zu 9 Personen.

Nach einem köstlichen gemeinsamen Abendessen, dem Programm für den nächsten Tag und telefonischer Diskussionen mit dem Auslieferer wegen fehlendem Gepäck ging es zur Nachtruhe. In der Nacht starker Regen und Wind.

Montag, 27.5.2019

Svolvær, Kvalvika (Strand von karibischer Schönheit), Moltinden

Morgens Frühstück, Packen, Auto laden und Fahrt zur ersten Wanderung zur Kvalvika und um den Moltinden mit kleinen Kletterpassagen.

Diese Wanderung war ein weiteres Highlight. Zwar regnete es zwischendurch immer mal wieder und der Wind war eisig. Davon ließen wir uns jedoch nicht beeindrucken. Leider gibt es auch an solchen abgelegenen Stellen Spuren der Zivilisation, Plastikmüll und Reste von Fischernetzen. Anschließend Weiterfahrt zur nächsten Unterkunft für 2 Nächte in Svolvær.

Ein Teil der Gruppe macht unterwegs noch einen kurzen Stopp an dem Lofoten Wikingermuseum bei Borg, ein sehr großes Langhaus, mit weiteren Sehenswürdigkeiten, die aber aus Zeitgründen nicht weiter besichtigt wurden. Später noch Foto-Stopps an diversen Aussichtspunkten, Einkaufen in Svolvær und Abendessen in der Gruppe.

Dienstag, 28.5.2019

Svolvær, Wanderung bei Henningsvær

2 Teilnehmer fuhren auf die Insel Skrova, die Hauptgruppe nahm Kurs auf Henningsvær und wanderte zum Austvagoya/Festvagtinden. Danach Besichtigung des malerischen Ortes. Ein Teil der Gruppe fuhr danach noch zum Lofotenaquarium in Kabelvåg. Die Besichtigung dauerte etwas länger, so dass das angrenzende Lofotenmuseum, eher ein Museumsdorf, nur von außen besichtigt wurde. Auf dem Rückweg nach Svolvær noch kurze Besichtigung der Vagan Kirke. Nach dem gemeinsamen Abendessen unternahm ein Teil der Gruppe noch eine Nachtwanderung.

Mittwoch, 29.5.2019

Sennesvik, Wanderung auf der Insel Gimsøy

1. Wanderung auf den Hoven (368m)
2. Wanderung in Hovsund und zum Leuchtturm mit dem alten Walskelett.

Vor der Rückfahrt zur Unterkunft stillten wir unseren Kaffeedurst in einem Café in Leknes. Glücklicherweise gab es in dem Ort ein Sportgeschäft, da sich bei einem Teilnehmer die Schuhe auflösten und er dort neue kaufen konnte.

Donnerstag, 30.5.2019

Sennesvik, von Ballstad auf den Ballstadheia und Nonstinden, Myrland Strand

Von Ballstad aus eine gemeinsame Besteigung des Ballstadheia bei allerschönstem Wetter mit atemberaubender Sicht auf die Küste und den Ort. Weiter ging es aufwärts zum Nonstinden mit Eintrag ins Gipfelbuch. Anschließend zwei Gruppen: Eine Gruppe machte noch in der Nähe eine Wanderung, die andere besichtigte den Ort Ballstad.

Auf der Rückfahrt zur Unterkunft Besichtigung einer schönen Kirche sowie eines kleinen Leuchtturms. Zu nächtlicher Stunde fuhren wir noch etwa ½ Std. zum Myrland Strand bei Brattforen, um die Mitternachtssonne zu beobachten. Und tatsächlich ging die Sonne nicht unter, Ende Mai bleibt sie hier auf den Lofoten sogar noch ein ganzes Stück über dem Horizont, bevor sie wieder aufgeht.

Freitag, 31.5.2019

Reine, Wanderung vom idyllischen Ort Nusfjord

Auch heute haben sich zwei Gruppen gebildet: Die „Hartgesottenen“ wollten den Tønsåsheia mit über 700 m besteigen, eine zweite andere Gruppe zog die „Küstenwanderung“ nach Nesland vor mit in Summe 400 Höhenmetern. Start für beide Gruppen war der idyllische Ort Nusfjord.

Bei leichtem Nieselregen starteten beide Gruppen zunächst ein Stück gemeinsam. Die sogenannte Küstenwanderung ist nicht das, was man sich unter einer solchen vorstellt. Es geht durch sumpfiges Gelände, über Hügel und große Felsbrocken. Jetzt erst verstanden wir, wie bei einer Küstenwanderung 400 Höhenmeter zusammenkommen können. Die Küstenwanderer kamen nur langsam voran und entschieden sich nach etwa 2 Std. Wanderung und gut der Hälfte des Weges umzukehren, da der Regen immer mehr zunahm. Wieder in Nusfjord angekommen, besuchte die Gruppe ein niedliches Café mit Möblierung aus den 60ern. Einige Zeit später traf auch die andere Gruppe völlig durchnässt dort ein. Sie mussten aufgrund unpassierbarer Schneefelder und zunehmend schlechterem Wetter die Tour kurz vor dem Gipfel ebenfalls abbrechen. Gemeinsam fuhren wir zurück zur Unterkunft. Regen und Sturm hielten noch die ganze Nacht bis zum Morgen an.

Samstag, 1.6.2019

Rückreise

Heute hieß es früh aufstehen, denn die Fähre legte bereits um 7:00 Uhr in Moskenes ab. Trotz heftigem Wind in der Nacht und auch noch am Morgen war die Überfahrt nach Bodø ruhig, wo wir ca. 10:15 ankamen. Die Rückgabe der Fahrzeuge war für 18 Uhr vereinbart und so blieb uns noch Zeit, auf dem Festland etwas zu unternehmen. Nach einer Woche Wanderungen jeden Tag hatte keiner mehr so recht Lust, in Bodø zu wandern, zumal das Wetter nicht besonders war. Der Vorschlag nach Saltstraumen zu fahren, wurde sofort von allen angenommen.

Der Saltstraumen, 30 Straßenkilometer südöstlich der Stadt Bodø gelegen, ist der stärkste Gezeitenstrom der Welt. Sein Name leitet sich ab von Salten, der Region in der er sich befindet. Straumen ist Nynorsk für „Strom, Strömung“. Durch einen 2,5 Kilometer langen und etwa 150 Meter breiten Sund strömen im Wechsel der Gezeiten riesige Mengen Wasser zwischen dem Saltfjord am Meer und dem Skjerstadfjord im Inland (auch „Innerer Saltfjord“) hin und her.

Der Strom erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h und an seinem Rand entstehen gewaltige Strudel. Sie können einen Durchmesser von bis zu zehn Metern erreichen und mehr als vier Meter in die Tiefe reichen. Lediglich bei Stillwasser, also beim Höchst- und Tiefststand, tritt für kurze Zeit Ruhe ein. Auf einer Brücke führt die Küstenstraße Fv17 über den Strom und bietet eindrucksvolle Aussichten.

Danach ging es zurück zum Bahnhof, Gepäck ausladen, Fahrzeuge am Flughafen abgeben und am Bahnhof auf den Nachtzug warten, der die meisten wieder nach Trondheim brachte. Eine Teilnehmerin fuhr von Bodø aus noch mit Hurtigrouten nach Tromso, um von dort zurückzufliegen. Eine andere Teilnehmerin, wollte noch nach Bergen und Stavanger. Die letzten Stunden der übrigen Gruppe in Trondheim wurden für einen Spaziergang durch die Altstadt genutzt.

Zusammenfassung

Es war eine wunderbare und sehr interessante Reise mit vielen tollen Eindrücken. Besonders beeindruckend natürlich die großartige Landschaft und abwechslungsreiche Natur, aber auch die hübschen kleinen Fischerorte mit den typischen Stockfischgerüsten und die gute Infrastruktur mit den vielen Brücken über die Inseln der Lofoten. Außer Kaffee, dem offensichtlichen Nationalgetränk der Norweger, ist die Gastronomie sehr teuer, aber wir haben uns ja weitgehend selbst verpflegt. Der große Altersunterschied der Teilnehmer von Anfang 20 bis Ende 60 war zu keiner Zeit problematisch. Das Wetter war leider nicht wie in der statistischen Erwartung für Ende Mai beschrieben, denn es hat öfters mal geregnet bei Temperaturen zwischen 8 und max. 13°C. Dies hat uns aber nicht davon abgehalten, unsere ausgesuchten Wanderungen durchzuführen. Letztendlich hat die grandiose Landschaft alle begeistert. Bei abweichenden Wünschen hat sich die Gruppe geteilt um unterschiedliche Unternehmungen zu machen – wir hatten ja genug Fahrzeuge.

Danke an den Organisator Jannis und sehr gerne wieder.