Aktuelle Sicherheitsaspekte für (Ski-)Hochtouren

Wissenschaftlich fundierte Aussagen zur Taktik in Bezug auf das Risikomanagement bei bergsportlichen Aktivitäten sind bis dato noch die Ausnahme. Insofern sollten aktive Alpinisten der aktuellen Publikation von S. Weber Endress und T. Endress (Klinikum für Anästhesiologie am Klinikum der Universität München) sicherlich ein besonderes Augenmerk mit Blick auf die Unfallprävention und Kameradenrettung bei (Ski-)Hochtouren schenken.

Die beiden Mediziner betrieben für Ihre Untersuchung intensive Recherchen in Bezug auf Stürze in Gletscherspalten um aus den hieraus gewonnenen Erkenntnissen eine sinnvolle Empfehlung für einen Algorithmus zur Kameraden- und Selbstrettung geben zu können.

Zusammenfassend kann hierzu festgehalten werden, dass die primäre Ursache bei 75% aller tödlich endenden Spaltenstürze ein Sauerstoffmangel ist. Somit ist, analog des Vorgehens bei einer Lawinenverschüttung, eine effiziente Kameradenrettung der entscheidende Faktor für das Überleben nach Spaltensturz. Das Wissen und die Fähigkeit zur schnellen Einrichtung von Standplätzen in Gletschergelände, wie auch die Technik des Abseilens sind, neben den aus der Lawinenrettung bekannten Suchstrategien, somit die entscheidenden Erfolgsfaktoren zur Rettung des Gestürzten. Das diesbezügliche „Überlebensfenster“ liegt hierbei bei max. 18 Minuten nach Ereignis.

Die weiteren 25% versterben primär in Folge eines Traumas, wobei Kopfverletzungen als direkte Folge des Sturzgeschehens hierbei dominieren. Als klare Empfehlung zur Prävention ist demnach das Tragen eines Helms im Auf- und Abstieg angezeigt. Zu dem kann die Verwendung eines „Self-Arrest“, einer Kombination aus Skistock und Pickel (z.B. „Condor“ der Firma Grivel), sinnvoll sein, da gerade bei Skihochtouren kein Pickel zum Bremsen eines Sturzes auf Blankeis zur Verfügung steht.

Des Weiteren empfehlen die Autoren das permanente Tragen eines Hüftgurts bei der Begehung/Befahrung von Gletschern. Im Aufstieg mit Skiern ist das Einbinden und Anseilen analog der Vorgehensweise bei Sommerhochtouren sinnvoll. Da die (Ski-)Abfahrten in der Regel seilfrei erfolgen, sollte weiterhin der erste und letzte Skifahrer einer Gruppe mit zwei Seilsträngen (Redundanz) von 30-40m ausgerüstet sein. Mit Blick auf das Gewicht empfiehlt sich hierfür der Einsatz von Halbseilen.

Erwähnenswert ist besonders die Erkenntnis das 70% aller untersuchten Spaltenstürze nicht ohne professionelle Rettung gelöst werden konnten, obwohl bei 92% aller diesbezüglichen Notfälle kein schweres Gerät notwendig ist, Kameradenrettung somit prinzipiell möglich gewesen wäre.

Die DAV Sektion Hanau bietet sowohl für das Erlernen der technischen Aspekte, wie auch der lebensrettenden Sofortmaßnahme (Erste Hilfe – Outdoor) spezielle Kurse für Bergsportler an. Informationen erhaltet Ihr über unser Ausbildungs- und Tourenprogramm und/oder direkt über die Geschäftsstelle in Hanau.

Quelle:

S.Weber-Endress, T. Endress

Der winterliche Sturz in Gletscherspalten

Notfall Rettungsmed 2014 17:123-130

Springer-Verlag Berlin Heidelberg